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Siegfried Buelow

 

Siegfried Bülow

In einem Atemzug mit Baron von Oertzen und anderen Chemnitzer Autoleuten

Wenn im neuen Industriemuseum ab Monatsmitte einheimische Industriegeschichte ablesbar werden soll, sind weiße Flecke auf Geschichts-Tafeln unzweckmäßig. Wir plädieren für vier Kapitel: Siegfried Bülow aus der Generation heutiger Spezialisten, Barkas-Direktor Karl Hormes samt Konstrukteur Görbing und jedenfalls Baron von Oertzen aus den Reihen der großen Altvorderen! Denn zur ewigen Garde maßgeblicher Führungsköpfe einheimischen Fahrzeugbaues ist in Gesellschaft Rasmussens (seit 1904 in Chemnitz als DKW-Gründer) fraglos auch der bis 1935 in Chemnitz lebende Klaus Detlef Baron von Oertzen (links im Doppelporträt) zu zählen. Der seit 1928 im Vorstand der Wanderer-Werke tätig gewesene Steuermann für die Geburt der Auto-Union wurde nach dem Zweiten Weltkrieg fern der Heimat Spitzen-Berater der Volkswagen-Gesellschaften auf drei Kontinenten: Afrika, Australien und Asien. Baron von Oertzen verstarb im Juli 1991 98jährig in Lausanne, in seinen Chemnitzer Jahren wohnhaft gewesen im Hause Barbarossastraße 43, 2. Etage.

Schon seit alters her mischen Sachsen in der Automobilwirtschaft mit: Horch und Audi, DKW, Wanderer und Auto-Union - eine Sache der Gene offenbar. Als profunde Autoleute kennt man weithin Ehrenbürger Carl Hahn, TUC-Ehrendoktor Folker Weißgerber, einst ähnlich Karl Hormes, etwas weniger vielleicht den Karl-Marx-Städter Barkas-Chefkonstrukteur Ralf Görbing.
Görbing stieg 1972 sodann zum Amtschef für Standardisierung der DDR auf und war seit 1972 gar stellvertretender Sekretär des RGW, also des östlichen Wirtschaftszusammenschlusses gegen die restliche europäische Gemeinschaft (EU). Allein mit dem Parteibuch wurde man das auch nicht. Rolf Görbing (*20. 4.1930) war zuerst gelernter Autoschlosser im IFA-Werk Altchemnitz! Dort an der Kauffartei war auch Siegfried Bülow tätig, heute der Leipziger Cayenne-Chef. Der Porsche-Cayenne steht als ein relativ unerschwingliches Edelprodukt zwar noch nicht allzu häufig in den sächsischen Garagen, nimmt seinen fast exorbitanten Oberklassen-Weg wohl eher in den exquisiten Exportschauplätzen zwischen Texas und Malibu ein. Doch dass ein Chemnitzer dafür alle Geschicke der Endmontage lenkt, erscheint uns schon als recht bedeutungs- und verheißungsvoll. 1968 dann hatte der jetzt 52jährige TUK-Absolvent mit einer Werkzeugmacherlehre in der Autobauerschmiede Barkas Altchemnitz bei Franz Hormes seine Ausbildung begonnen, vollendet später vorerst mit einem berufsbegleitenden Maschinenbaustudium an der hiesigen Universität: 20 Jahre nach Ausbildungsstart bei Barkas wurde Siegfried Bülow schon Direktor Produktion und im Sommer vor dem DDR-Konkurs Betriebsdirektor F 1 der VEB Barkas-Werke inmitten der damaligen Kombinatshierarchie. Spätestens 1990 wollte der Altendorfer endlich genau und in praxi wissen, wie man auf technologisch neuestem Stand Autos baut, wollte energisch nachholen, wofür die Ost-Wirtschaft zwischen Suhl und Wladiwostok einfach ein paar Nummern zu klein geblieben war. Heute sind ihm die Jahre bei Barkas und die Wolfsburger Kompetenzen stabile Fundamente. Sein Profil seit Moseler VW-Motoren und Lupo-Fertigung gewann Porsche-Dimensionen, annähernd vollautomatisch wie der schnellste Offroader der Welt (Endspitze 266 Km/h), endmontiert und in die Oberklassenwelt geschickt unter seinen Fittichen! Altvertraute Barkas-Leute, die in Chemnitz noch putzmunter anzutreffen sind, freuen sich auf eine ordentliche Fachsimpelei mit ihrem "Sigg". Vielleicht klappt es bald mal, wenn der (Konjunktur-)Motor richtig läuft. Oder zeitiger. Gern im Industriemuseum!

 

Quelle: Stadtstreicher Chemnitz, Addi Jacobi

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