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Dieter-Gerhardt Worm

 

Dieter-Gerhardt Worm

Verborgene Dissonanzen

In diesem Jahre 1993, so wird dermaleinst in künftigen Musiklexika zu lesen sein, hat Generalmusikdirektor Worm in Chemnitz sein Chefamt niedergelegt. Musikfreunde erinnern sich, wie man beim Abschied für Satanowski hier untröstlich war, ähnlich wie einst bei Malata und Leschetitzky. Immer ist es weitergegangen, aber ein Verlust war es bei Koryphäen allemal. Was hat dieser Worm nicht alles für unser Städtisches Orchester getan! Zur Philharmonie ist es geworden, den Namen Robert Schumanns hat es erworben und behauptet, die Klangverhältnisse der Stadthalle durch Expansion des Künstlerischen gemeistert, dem Konzertleben Anziehungskraft und kostbare Resonanz gegeben. Der Chemnitzer Musikverein, eine Wiederbelebung auch dank Wormscher Initiative und Gestaltungskraft, dürfte wohl am beständigsten als Wormimpuls ins neue Jahrtausend hinüberwirken. Die Chemnitzer Ära Worm fand ihr Finale mit einem Auftakt. Der Berufsweg des Künstlers Dieter-Gerhardt Worm nach den Staatsexamen in den Fächern Dirigieren und Musikwissenschaften, der blutjung die Eterna-Produktion von der allerersten Langspielplatte (Eroica unter Konwitschny für Worm unvergessbare Nr. 8 200001) über 18 Jahre hinweg erfolgreich mit aller Verantwortung für Aufnahmepläne, Honorarbudget, Gagenhöhe, Engagements, Valutageschäfte wie Coproduktionen etc. aufbaute, wurde nach einer Japanreise noch am Flugplatz mit der strikten Order empfangen, seinen Arbeitsplatz nicht mehr zu betreten.

Vorangegangenen Behelligungen hatte er sich unbekümmert widersetzt. Schluss mit der Indifferenz für Leute in Schlüsselpositionen hatte 1970 ein Plenum proklamiert. Da Worm sich nicht Willens zeigte, kamen die Betreiber der Intrigen auf seine Position. Drei Jahre arbeitslos erschien als "Gegenleitung" der Verweigerung angemessen. Der Begriff Berufsverbot traf für den auch intellektuell Aufrechten zu, denn wo auch immer sich Worm im Kulturbereich nunmehr bewarb, an Werner Rackwitz' ministerialem Schreitisch scheiterte jeder Versuch. Bemerkenswert dazu: Worms unmittelbarer Nachfolger an den Eterna-Schalthebeln, Hans-Georg Uszkoreit, gefürchteter Politkarrierist, nutzte die erste West-Dienstreise zum Verbleib in den Gefilden, in denen wir inzwischen alle sind.

Für Chemnitz, damals Karl-Marx-Stadt, freilich brache der Dissenz den Gewinn, Worm als Chefdirigenten ans Pult zu kekommen. Die Qualitäten des Chefs waren unüberhör-, unübersehbar. 1975 war er der CDU beigetreten, die staatliche Auszeichnung Generalmusikdirektor folgte. Seine Potenz lässt es zu, auch heute sich zum Kunstpreis der DDR zu bekennen. Das ist ihm rechtens Anerkennung, äquivalent seiner Lebensleistung bis zu diesem Punkt, Ausdruck künstlerischer Wirksamkeit im Musikalischen nach Wormscher Dimension und Programmatik. Keiner habe ihm je in seine Konzertplanung hineingeredet, die sich als Einheit von saisonübergreifenden Ideen bis zur ideellen Geschlossenheit und Dramaturgie jedes Abends verstand.
Dennoch: Während Orchester und Konzertpublikum den Intentionen des Dirigenten folgten, wussten nur wenige um verborgene Querelen. Denn die blieben niemals aus.

Die kritische, unvoreingenommene Wertung künsterlischer Resultate, die sich in dieser Auffassung zeigt, wird, so ist zu meinen, dem Namenspatron Wormscher Wahl, Robert Schumann, auf Dauer gerecht und steht auch verheißungsvoll (siehe "Leise, innig") am Neubeginn Chemnitzer Musikvereinsarbeit. Insofern: Dem profunden Schumann-Kenner war das jetzt den Verein im Signet begleitende Thema lange nicht bewusst gewesen, solange, bis er in die Philharmonie vor zwei Jahren Aribert Reimanns "Fragmente für Orchester in memoriam Robert Schumann" aufführte. Der öffentliche Akzent auf das bedeutende Thema und den Text soll nicht nur Neugier auf Entdeckungen in der Musikwelt schlechthin auslösen, sondern Leitgedanke des Musikvereins sein. Welche Eintragungen künftige Musiklexika die Nach-Chemnitzer Zeit des scheidenden Generalmusikdirektors beschreiben, kann heute nur vermutet werden. Da kann man es Worms Anhängern schwer verübeln, sich daran zu erinnern, dass auch ein Rudolf Kempe Chemnitz verließ, um einen Weg zu namhaftesten Plätzen zu beginnen.

 

Quelle: Stadtstreicher Chemnitz, Addi Jacobi

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