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Walther Rochhausen

 
 

Walther Rochhausen

Auf Kaßbergstraßen zwischen Grüna und Adelsberg

Das stattliche Kaßberghaus an der Emil-Rosenow-Straße 7, dessen
Klingelschild "Waldvogel" heute weniger auf ornithologische Segmente denn auf Chemnitzer Architekturqualitäten hinweist, war gleich nach dem Kriege die Wohnanschrift des Walther Rochhausen, dem damaligen Leiter des Chemnitzer Finanzamtes: Kreisrat Rochhausen, sozialdemokratisches Urgestein bebelscher Prägung. Die Nazijahre hatte er als Schlosser bei der Firma ZAFA Rabenstein überstanden, nachdem im braunen Machtantrittsjahr 1933 seine seit 1924 währende sozialdemokratische Bürgermeisterzeit in Leubsdorf zu Füßen von Schloss Augustusburg abrupt endete: Braun regierte rigide. Auch die Dienstwohnung im Leubsdorfer Rathaus wurde Rochhausen fortan verwehrt, so dass die neue Wohnanschrift für gut zwölf Jahre in Grüna lag: Genossenschaftssiedlung, Dorfstraße. Dort wohnte auch Rochhausens alsbaldiger Schwiegersohn Herbert Zimmermann, mit dem er unverzüglich nach Kriegsende die alte SPD wieder gründete, vermutlich eine Vorstufe des späteren Ortsvereins. Alle Hoffnungen auf einen normalen Wiederaufbau Deutschlands verloren sich schnell. Walther Rochhausens dienstliche Verwendung im Finanzamt Hohe Straße, die nach Kriegsende für den bald zum Kreisrat avancierten Praktiker einsetzte, erfuhr schon keine sieben Jahre später eine nächste Maßregelung: Besagter Schwiegersohn war mitsamt Familie angesichts haltlos-voreiliger Verdächtigungen der Zaisser-(Geheim-)Polizei "republikflüchtig" geworden. Da folgte die Sippenhaft "neuen Typs" auf dem Fuße.
In der Villa an der Emil-Rosenow-Straße 7, vormals Metzschstraße, hatte Kreisrat Walther Rochhausen (1889-1973) "auf gleicher Augenhöhe" mit Landrat Heinrich Engelke gelebt, nun folgte eine Zeit an der Peripherie, in Adelsberg, wo er auch begraben liegt. Später wohnten dann UdSSR-Konsul Genrich Lapin oder nachfolgende sowjetische Generalkonsule "für die Südbezirke der DDR", die in der Gewerbekammer Hohe Straße (damals Dr. Richard-Sorge-Straße) ihren Dienstsitz hatten, im Hause Emil-Rosenow-Straße. Wenn diese Mauern erzählen könnten! Schwiegersohn Herbert Zimmermann, lange im "Gaswerk II" an der Straße der Nationen verantwortlich, hatte bald in Stuttgart Fuß gefasst, viele Jahre auch als Technikchef der legendären Stuttgarter Liederhalle - ohne Tadel allezeit...
Vermutlich hätte die Rochhausen-Erwähnung in unserer Rubrik "Chemnitzer Köpfe" noch auf sich warten lassen, wären nicht soeben die heutigen Leubsdorfer dank ihrer Ortschronisten Eckardt und Kunze zu einem wohlbedachten Entschluss im Gemeinderat gekommen. Seit Oktober 2003 erinnert nahe der Grundschule weiße Schrift auf blauem Grund an den umsichtigen und ebenso sozialen wie demokratischen Bürgermeister aus der Weimarer Republik: "Walther-Rochhausen-Platz". Gleichzeitig ein Verweis auf sozialdemokratische Fundamente, die heute immer schwerer erkennbar sind.

 

Quelle: Stadtstreicher Chemnitz, Addi Jacobi

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