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Charlotte Hagenbruch

 

Charlotte Hagenbruch

Die starke Frau an Dieterles Seit

Dicht am Roten Turm führte früher die Herrenstraße vorbei. Dicht am Roten Turm ist jetzt Dieter Füßleins Galerie entstanden. Exakt dort, wo sich bald das große Kinofoyer bevölkern soll und eine haushohe Glaswand dann den freien Blick zum nahen Turm erlaubt, existierte bis zum Bombenangriff schon einmal ein Kino, das "Filmtheater Roter Turm" mit immerhin 1050 Plätzen. 1929 war Eröffnung mit der Uraufführung des Wilhelm-Dieterle-Filmes "Frühlingsrauschen", zu dem Charlotte Hagenbruch das Drehbuch geschrieben hatte. Sogleich erwähnten damals die Rezensenten, dass jene Charlotte in Chemnitz keine Unbekannte sei. Sie hatte nicht nur ihr erstes Schauspielengagement am Chemnitzer Schauspielhaus, sie war auch eine gebürtige Chemnitzerin: "Amalie Marie Lotte Hagenbruch wurde am 27. März 1896 als Tochter des Kaufmanns F.C.O. Hagenbruch und seiner Frau Elsa geb. Seeger in Chemnitz geboren", heißt es in einem Manuskript, das uns vor zehn Jahren aus L.A. erreichte. Marta Mierendorfs Text, inzwischen bei Henschel erschienen, berichtet detailliert über den Schulbesuch der "höheren Tochter", Entlassung 1910. Nach einer schauspielerischen Ausbildung am Hoftheater Meiningen Debüt in Chemnitz, 1919 Nürnberg, danach Berlin: Deutsches Theater, zu Max Reinhardt!

Dem Autor war der Name der Chemnitzerin erstmals wichtig geworden, als 1979 im Leipziger Reclam-Verlag als Nr. 799 der Band "Exil in den USA" mit mehreren Hervorhebungen ihrer Aktivität für Künstlerkollegen erschienen war, etwa durch die Arbeit des European-Film-Fund, einer von den Dieterles begründeten und vorangebrachten Organisation, "die auf der Grundlage von freiwilligen Spenden beziehungsweise regelmäßiger Abgabe eines bestimmten Prozentsatzes der Gage materiell bedürftige Künstler und Schriftsteller unterstützte."

Schon bald nach der Trauung mit Wilhelm Dieterle stellte Charlotte Hagenbruch ihre eigene Bühnenkarriere zugunsten der ihres Mannes und aller Möglichkeiten des Filmgeschäfts zurück, wurde mit Sachverstand und Talent sorgende Seele an der Seite des Hühnen: Häufig und mit meist auch kommerziell beträchtlichem Erfolg schrieb sie die Drehbücher seiner Karrierefilme. Wo immer in der deutschen Filmgeschichte eine CHARHA-Filmproduktion erscheint, verbirgt sich hinter dem seit 1927 populären Firmenkürzel ihr Name, meist kassensicher die Produktionen à la "deutsche Natur plus Romanze": "Der Heilige und ihr Narr", "Ludwig der Zweite, König von Bayern", stets mit ihrem Wilhelm, der sich bald William nannte, im Mittelpunkt. Das "Filmband in Gold", das 1970 die Dieterles fürs Lebenswerk erreichte, 38 Titel bis dahin, kam somit erstmals in die Hände einer Chemnitzerin. Speziell aber sorgten Lotte und William im Emigrantenalltag der Nazijahre beträchtlich im USA-Exil als selbstlose Zentralinstanz speziell an der Westküste, schufen Arbeitsmöglichkeiten für Autoren, Schauspieler, Regisseure und sorgten für Publicity in Hollywoods Öffentlichkeit. Die Adresse der Dieterles wurde unmittelbar zu Bertolt Brechts Adresse: Santa Monica, 3351 North Knoll Drive, Hollywood, California. Die gebürtige Chemnitzerin und ihr Mann, das liegt in der Natur der Sache, waren freilich ein Observierungsfall für das FBI. Eine umfangreiche Akte zur Überwachung und Bespitzelung der Dieterles ist überliefert, auch Marta Mierendorfs Dieterle-Band gibt darüber näheren Aufschluss.

 

Quelle: Stadtstreicher Chemnitz, Addi Jacobi

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