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Elsa Grube-Deister

Elsa Grube-Deister

Sinn und Stil großer deutscher Schauspielkunst oder: Das Mädel aus der Klosterquerstraße

Die heutigen Zeilen für eine seit Jahrzehnten am Deutschen Theater in der Berliner Reinhardt-Straße wirkende Schauspielerin aus der Chemnitzer Künstlerfamilie lassen sich sogleich mit dem Hinweis verbinden, wo und wann man per Fernsehbild Elsa Grube-Deister in einer Hauptrolle wiedersehen kann: Am 3. Oktober, dem Tag der deutschen Einheit, strahlt der MDR ab 23 Uhr die 1993 uraufgeführte Komödie "Die Brocken" erneut aus. Als Kapitänswitwe Ada Fenske hält die Grube-Deister den anrückenden Immobilienfreunden aus den Altbundesländern resolut stand und trotzt den Vereinnahmungsgelüsten der trainierten Charmeure, Elsa Grube-Deister in die Stadt ihrer Kindheit aufs Podium zu bitten, scheiterte bisher allein an ihrem Arbeitspensum. Eben in diesen Tagen steckte sie bei Horst Lebinsky in den Proben zu Gerhart Hauptmanns "Der rote Hahn" am DT; Premiere ist m 31. Oktober. So geht es dauernd. Mittlerweile ist nun fürs Frühjahr das überfällige Wiedersehen in der Heimatstadt verabredet.
Allein die Filmrollen der Grube-Deister sind in vielen Chemnitzer Familien selbst Jahrzehnte nach der Kinopremiere oder Jahre nach der letzten Fernsehwiederholung im Gespräch. Fest hat sie sich an der Seite Erwin Geschonnecks in dem Hans-Fallada-Stoff "Jeder stirbt für sich allein" als Anna Quangel in die deutsche Filmgeschichte eingeschrieben, mit gleichem Partner später bei Roland Gräf in "Bankett für Achilles" und bei Klaus Gendries in "Meschkas Enkel"! Solche Hauptrollen in DEFA- und Adlershofer TV-Produktionen lagen bei ihr in besten Händen. Und wenn sie der führere Karl-Marx-Städter Schauspieldirektor Dr. Gottfried Kolditz bat, in seinem Indianerfilm "Apachen" die wichtigste Frauenrolle neben Mitic, Beli, Hoppe. Wolff, Delmare und Niemczyk zu spielen, hatte sie auch daran sichtbare Spielfreude. Das war im Sommer 1972 für die "Sommerfilmtage 1973", der Film kursiert noch heute per VHS-Kaufkassette, wie viele Babelsberger Produktionen.

Sicher könnte so auch "Drost", "Levins Mühle" und "Der nackte Mann auf dem Sportplatz" die Jahre des Kalten Krieges und die KSZE-Entspannungspolitik in ihren hiesigen Kunstäußerungen dokumentieren. Claus Dobberke, Horst Seemann und Konrad Wolf baten Elsa Grube-Deister um ihre Mitwirkung. Uns sie ließ sich besetzen. Theaterfreunde sind noch heute vergnügt bei der Erinnerung an den herrlichen DT-Volksliederabend anno 82, der in einer Litera-Produktion neben den Liedern der Grube-Deister auch die Stimmen weiterer Schauspieler mit Karl-Marx-Städter Vergangenheit bewahrt: Dieter Franke, Jutta Wachowiak, Reimar Joahnnes Baur. Die wahre Heimat Elsa Grube-Deisters blieb bei allen Abstechern in Ateliers und Funkstudios allezeit die Bühnenwelt zwischen Gassen, Requisiten und Rampe. Zum Berliner Theaterpublikum kam sie einst aus Eisenach nach einem Vorsprechen bei der Weigel, Bert Brecht engagierte sie. Mit der Nonne in "Jeanne d'Arc" begann sie 1956 im "Berliner Ensemble", als Lucie aus der "Dreigroschenoper" verabschiedete sie sich 1961 ans Deutsche Theater. Nach Brecht heißen ihre Regisseure Engel, Besson, Langhoff, Solter.

Der Doppelname wurde mir beim jüngsten Telefongespräch erklärt: "Vater Deister, Mutter Grube"! 1950 verließ Elsa Grube-Deister, knapp 24jährig, das zerbombte Chemnitz. Die Wohnung an der Klosterquerstraße, Verlängerung der Börnichgasse in Richtung Roter Turm, war dahin, ein Notquartier fand sich bis dahin behelfsmäßig in der Leipziger Straße. Deister senior zählte als Opernsänger zu den Chorkünstlern der Städtischen Theater "seit Menschengedenken". Als "alles in Scherben" gefallen war, griff er beim Enttrümmern wie Abertausende zu. Beim Telefonieren stoppten wir erst, als wir lebhaft auch über den jung verstorbenen Dichter Dieter Franke, gleichfalls ein Vollblutschauspieler mit Chemnitzer Wurzeln, gesprochen hatten: "Er war lange mein Partner in dem Zweipersonenstück 'Juno und der Pfau' am DT". Unbedingt müssen wir das Gespräch fortsetzen. Vielleicht gar gemeinsam mit der "Volksbühne" in unserer Reihe "Chemnitzer Köpfe".

 

Quelle: Stadtstreicher Chemnitz, Addi Jacobi

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