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Richard Tauber

Richard Tauber

(Doch wie’s da drin aussieht, geht niemand was an)

In HiFi-Zeiten elektroakustischer Brillanz klingen die originalen Richard-Tauber-Platten heute jungen Ohren wie aus einer fernen, fremden Welt. Doch mehrt sich die Zahl der Interessierten, die in den Lehár-Melodien der damaligen Operettenwelt auch verborgene Zeitbotschaften ergründen können und sich für die Lebenswege des Sängers erwärmen. Wenn nach einem Weltstar gefragt wird, der diesen Rang jahrzehntelang innehatte, dem sei gern Richard Tauber genannt. Das Opernhaus am Theaterplatz, wurde vor 85 Jahren zum Startplatz einer außerordentlichen Sängerkarriere. Der Chemnitzer Intendant Richard Tauber bot seinem Stiefsohn das Entree: Er schickte den 21jährigen Junior am 2. März 1913 als redlichen Tamino in Mozarts "Zauberflöte" vor das hiesige Publikum: ("Dieser Junge hat den Wahn, Sänger werden zu müssen.") Vom Start weg gelang dem Debütanten ein Festvertrag als "Königlicher Hofopernsänger in Dresden. Für fünf Jahre. Countdown permanent!

Der Weg des Sängers wird im Januar von Fachpresse und Sendestationen wieder ausführlich dargestellt werden, denn am 8. Januar jährt sich sein Todestag zum 50. Male. Dann wird auch an die Art seiner Heimkehr an den Debütort zu erinnern sein, an die Lebenswege, die ihre starken Zäsuren durch zweifache unfreiwillige Emigration erfuhren. Man kann sich auf Eynar Grabwosky berufen, wenn man vermittelt, daß Richard Tauber trotz der Möglichkeit, überall auf der Welt aufzutreten, der Abschied von der Heimat kaum verwindbar war. Nach Hitlers Machtergreifung blieb Tauber solange in Berlin, bis ihn nach einem Konzert SA-Leute angriffen. Von Salzburg wagte er sich nochmals bis nach München. Erst dort glaubte er zu seiner Rettung dem Direktor seines Stammhotels: "Verlassen Sie so schnell wie möglich das Lokal, falls Sie nicht in Dachau landen wollen."

Zuletzt lebte Tauber als britischer Staatsbürger in London. Zahlreiche Gastspielreisen hatten den in Linz geborenen Sänger, der in allen großen Rollen des Opernrepertoires brillierte, quer durch das britische Empire bis nach Australien und durch beide Amerika geführt; noch 1946 war er am New Yorker Broadway mit seiner Glanzrolle in Franz Lehárs "Land des Lächelns" zu hören. Taubers lyrische Tenorstimme war mit allen ihren Vorzügen namentlich für die Kompositionen Lehárs prädestiniert: "Paganini", "Friederike", "Zarewitsch", jede mit genau adressierten Bravourarien. Als unlängst im Archiv von Radio Beromünster der verschollen geglaubte Mitschnitt eines Tauber-Lehár-Konzertes vom 5. Juni 1946 aufgefunden wurde, gab es auch manch unerwartete Besonderheit zu entdecken, darunter viersprachig "Dein ist mein ganzes Herz". Sobald die Erlaubnis der Rechtsträger vorliegt, soll dieses Konzert zur Erinnerung an den Weltstar in der Stadtbibliothek noch einmal zu hören sein. Der zweite Teil des Abends soll dann auch weiteren Chemnitzern dieser Spezies gewidmet sein. Immerhin hatten Leon Jessel (von 1897 bis 1900 Dirigent in Chemnitz), Gerd Natschinski, Klaus Eidam und Heinrich Bolten-Beckers eine Chemnitzer Zeit. Bolten-Beckers etwa, der Schauspieler, Librettist und Filmregisseur, schrieb all die populären Berlin-Schlager, die dank Paul Lincke unverbraucht als Lokalschlager lebendig sind und beim Umzug der Bonner in die alte und neue Hauptstadt wieder eine kräftige Renaissance erhalten werden: "Das macht die Berliner Luftluftluft", "Laß den Kopf nicht hängen" und auch "Schlösser, die im Monde liegen". Ein Chemnitzer hat diese Liedtexte geschrieben. Ortstypisch mit Dauerwirkung!

 

Quelle: Stadtstreicher Chemnitz, Addi Jacobi

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