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Barbara Lotzmann

Barbara Lotzmann

Einst vom Erzgebirge nach Chemnitz, dann von Weimar nach Basel

Vom Nationaltheater Weimar für 15 weitere erfolgreiche Schauspielerjahre nach Basel zu gehen, ist unter normalen Verhältnissen, also ohne Systemkonfrontation  extremster Art, keine Besonderheit: Künstlerformat, Bewerbung, Engagement. Im Falle der Barbara Lotzmann war das anders. Aus hier nicht näher darzustellenden Anlässen, keinesfalls kriminellen, ausschließlich politischen, hatte ihr Mann und Kollege Rainer Höfer das DDR-Justizwesen auf der Angeklagtenseite mit Schuldspruch und Verurteilung durchzustehen, was seiner Frau die nahezu obligatorische Bespitzelung rundum einbrachte. Dann der Entscheid der Staatsorgane: Das Land verlassen binnen dreier Tage. Das war schon anno 1981 in Weimar.
Ihre Laufbahn begann im Karl-Marx-Städter Schauspielensemble, wenige Jahre nach der Berliner Abschluss-prüfung mit solchen Begabungen wie Dieter Franke aus Harthau und der polyerprobte Peter Dommisch. Barbara Lotzmann sammelte erste Berufserfahrungen mit Schauspieldirektor Gerd Keil, später im Bereich Dramatische Kunst des Adlershofer Fernsehstudios tätig. Für keinen handfesten Jux war sie sich zu schade, bis hin zum Auftritt mit Flora und Jolanthe im Jugendmagazin des Luxor-Palastes.
Wenn ich mich nicht irre, war Barbara Lotzmann aus dem "Dramatischen Zirkel der Deutschen Notenbank Karl-Marx-Stadt" hervorgegangen, Rolf Heilmann war dort spiritus rector. Damals war die Gattung Musical noch blutjung, zumindest hierzulande.

1961 verhalf Barbara Lotzmann in der Spielstätte Marmorpalast dem hiesigen Theaterpublikum zu ersten Musical-Erlebnissen: "Eva, bist du noch zu retten", erstaufgeführt anlässlich  der "Tage der finnischen Kultur 1961 in der DDR" und weit früher angesichts der frisch besiegelten Städtepartnerschaft Tampere/Karl-Marx-Stadt als Kulturereignis hochoffiziell anberaumt. Keiner konnte wissen, dass kurz davor der 13. August den Eisernen Vorhang des Kalten Krieges betonierte und ob angesichts dieser neuen Lage die Gäste aus dem blockfreien Finnland überhaupt anzureisen geneigt waren. Doch sie kamen, die Lotzmann stand als Temperamentbündel mit voller Jugendstrahlkraft auf der Premierenbühne: Ruma Elsa auf deutsch, Fritz Oettel trieb das zweite Städtische Orchester vehement.

Ob sie sich wohl daran erinnert? "Ich war
kein Parteimensch," sagt sie, "aber immer ganz zuverlässig. Ich bin in diesem Staat erzogen worden. Ich war arm wie eine Kirchenmaus und dieser Staat hat mir meine Ausbildung ermöglicht. Mir ist es sehr ja gut gegangen. Mein Sohn ging in den  Hort, mein Mann konnte studieren. Jeder arbeitslose Schauspieler im Westen bildet wieder neue arbeitslose Schauspieler aus. Und lebt davon. Verantwortungslos." "Die Rastlosigkeit hat sie immer noch", hören wir gern von ihrer jetzt wohl 93jährigen Mutter, die mit einer gesunden Portion Stolz zwischen Basel und Chemnitz denkt und reist und hofft. Hofft? Ob man nicht Barbara zum Festival Begegnungen einladen sollte? Wenigstens den Versuch für ein Gastspiel, für einen Ehrenabend unternimmt. Dem Jahrgangsthema "Trends" hätte sie gewiss manche Sentenz hinzuzufügen. Die Einladung gilt, für wann auch immer.

Quelle: Stadtstreicher Chemnitz, Addi Jacobi

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