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Barbara von Renthe-Fink 1

Barbara von Renthe-Fink

Als Senatsdirektorin für Gesundheit seit 1960 im Schöneberger Rathaus

Mit diesem Beitrag für die Ärztin und Sozialarbeiterin Prof. Dr. Barbara von Renthe-Fink wächst eine Würdigung weiter, die vor gut 15 Jahren Peter von Zahn, dem Publizisten und Fernsehpionier, als Kind des Chemnitzer Kaßbergs in seinem Studio offensichtlich gern angestoßen und in jüngere Hände gelegt hatte: Ob er wohl auf seinen Weltreisen beachtlichen Chemnitzern begegnet sei, die gern vom Autor dieser Zeilen mit unseren Mitteln biografisch erkundet werden sollten, war gefragt worden. Peter von Zahn nannte Karl Günther Renz damals - und sofort auch Barbara von Renthe-Fink. Ich hörte den Namen zum ersten Male.
Die 1983 im Oktober 82-jährig verstorbene arbeitete seit 1946 in der Zentralverwaltung für das Gesundheitswesen und ab 1960 als Senatsdirektorin für Gesundheit im Schöneberger Rathaus.

In Chemnitz hatte Frau Dr. von Renthe-Fink ihre Frauenärztliche Praxis an der Lindenstraße 2 - das darf der heutige Leser im Fußwegbereich gegenüber der "Freien Presse" an der Brückenstraße vermuten. Gleich um die Ecke, Friedrich-August-Straße 4 neben "Steiners Paradiesbetten" (also in Höhe der H & M-Fenster in der Galeria Roter Turm) betrieb ihr Lebensgefährte, Dr. Otto Jäger, seine Kinderarztpraxis in einem guten Geschäftshaus. Das Arztpaar war im größeren Chemnitz untergetaucht, nachdem sie in Glauchau als kulturell und sozial selbstlose und engagierte Mediziner nach der Nazi-Machtergreifung sich nicht mehr sicher fühlen konnten. Sie wurden Chemnitzer. Auch nach den Bombenangriffen bei Kriegsende auf Chemnitz blieben die hochangesehenen Ärzte inmitten der Trümmer und im Adelsberger Umkreis aktiv - man wohnte Am Schösserholz.

Bis 1949 war Frau Dr. von Renthe-Fink "Gesundheitsstadträtin in Chemnitz", saß mit Dr. Gertrud Korb zu ostzonalen Kongressen in der Viersektorenstadt, war bald in der Zentralverwaltung Ost leitend tätig und fand zu gegebener Zeit den Weg in die Freiheit des Ernst-Reuter-Senats. Die Chemnitzerin (seit 1928 niedergelassene Ärztin in Sachsen) wirkte bis 1974 als BRD-Vizepräsidentin des Deutschen Roten Kreuzes, engagierte sich für den Ausbau der sozialen Arbeit "und entwickelte Konzepte für die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen", wie es in Kurzbiografie des "Barbara-von-Renthe-Fink-Hauses Berlin" der "von Bodelschwinghschen Anstalten Bethel" heißt.
Barbara von Renthe-Fink 2 Auf eine bemerkenswerte Autobiografie der Chemnitzerin weist uns endlich deren Tochter Nora hin, eine gebürtige Chemnitzerin, die längst und gleichfalls als Ärztin südlich Kiels lebt. Dort finden sich Worte wie: "Als mich 1933 in Sachsen die drohende Verhaftung zur fluchtartigen Reise in die Schweiz veranlasste..." oder Episoden wie "Dass ich in Chemnitz einen Platz in einem Flugzeug für nur zwei Personen fand, war ein Wunder." Sie charakterisiert auch: "Chemnitz hatte und hat wohl heute noch eine ausgesprochene Arbeiterbevölkerung mit großem Frauenanteil. Vorwiegend in der Textilbranche tätig. Ich hatte verständnisvolle Patienten, fleißige Arbeiterinnen, selten neurotische Fälle." Man findet dann ihre Lebensentscheidung: "Wenn ich 1949 aus einer mir sehr gemäßen und sehr verantwortungsvollen Position in Ostberlin ausschied, so verdanke ich diesen Entschluss Freunden in Westberlin, die mich herüberholten und mir Gelegenheit gaben, Ernst Reuter zu treffen."

Peter von Zahn hat seine Bekanntschaft in "Windrose der Zeit" skizziert: "Sie war praktische Ärztin mit kühnem Verstand, großer Organisationsgabe und einem empfindlich reagierenden sozialen Gewissen. Er war Kinderarzt, Träumer und Phantast, der die engen Räume am Marktplatz einer sächsischen Provinzstadt mit erlesenen Stichen und Teppichen füllte." Das Arztpaar habe sich nicht um "das Ausschreiben und Eintreiben von Rechnungen" gekümmert. "In der Anonymität des größeren Chemnitz suchten sie Schutz und mussten nicht gegenwärtigen, denunziert zu werden, wenn sie beim Betreten des Bäckerladens nicht die Hand zum deutschen Gruß erhoben."

Heute trägt ein Altenpflegeheim an der Berliner Bundesallee 33 ehrend ihren Namen. Und dort fanden wir auch endlich das Altersporträt, das heute unsere Zeilen begleitet. Juliane Olbricht - auch eine junge Chemnitzerin, die jetzt in Berlin lebt - hat es reproduziert. Danke.

 

Quelle: Stadtstreicher Chemnitz, Addi Jacobi

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